Neue Erwartungen: Generation Z und der Einstellungswandel zur Außenpolitik

Rotmann 2020 Neue Erwartungen

Source: Tina Mailhot-Roberge /​Flickr

Bisher kaum beachteten Umfragedaten zufolge zeichnet sich in der deutschen Wahlbevölkerung über die letzten Jahre ein Trend zu einem größeren Wunsch nach der Übernahme von internationaler Verantwortung für die Lösung von Konflikten ab. Die einstige Mehrheit für Zurückhaltung“ schrumpft seit etwa 2016. Einige Umfragen vom Sommer und Herbst 2019 zeigen sogar ein umgekehrtes Verhältnis: Je knapp die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland befürwortet ein stärkeres Engagement beziehungsweise den Status quo, während sich nur eine kleine Minderheit weniger Engagement wünscht.

Vor allem jüngere Menschen zwischen 18 und 30, also Angehörige der sogenannten Generation Z“ (Gen‑Z) und jüngere Millennials, erwarten deutlich häufiger als andere Altersgruppen eine stärkere Beteiligung an der Lösung von Konflikten als bisher“. Dies gilt, anders als bei Älteren, für Frauen und Männer gleichermaßen — und für Ostdeutsche sogar häufiger als für Westdeutsche. Der Befund ist für die Jüngeren robuster, auch über unterschiedliche Umfragen und Frageformulierungen hinweg, als für die Gesamtbevölkerung. Dabei setzt sich die Haltung der Jüngeren im Zeitverlauf immer mehr von der der Älteren ab. Bei den Anhänger:innen der meisten Parteien ist dabei ein erhebliches außenpolitisches Konfliktpotenzial zwischen den Generationen zu erkennen.

Eindeutige Ursachen für die Unterschiede zwischen Jüngeren und Älteren gehen aus den bislang vorliegenden Daten nicht hervor. Gen‑Z und jüngere Millenials fühlen sich weder bedrohter noch sind sie naiver als Ältere. Jüngere schätzen die Risiken bedrohlicher Ereignisse wie Gewaltkonflikten nicht anders ein als Ältere. Ihr Vertrauen in die Sicherheit Deutschlands ist eher höher als das der Älteren. Als die dringlichsten Themen nennen Jüngere vor allem die Klimakrise, Friedenssicherung/​Konfliktvermeidung und Terrorismusbekämpfung. Flüchtlinge und Fluchtursachen“ werden von ihnen hingegen etwas geringer priorisiert als bei Älteren. Deutlich seltener als Ältere verbinden Jüngere die Aufnahme von Flüchtlingen mit einem höheren Terrorrisiko in Deutschland.

    Auch zu den konkreten Erwartungen der Jüngeren an die Ausgestaltung der nebulösen Formeln von Verantwortung“ und Engagement“ geben die vorliegenden Daten nur wenige Hinweise. Aus älteren Umfragen wissen wir von hohem Zuspruch für mehr diplomatisches Engagement in der Gesamtbevölkerung. Jüngere wünschen sich deutlich häufiger als Ältere mehr Engagement in der Entwicklungspolitik. In Bezug auf den Einsatz militärischer Mittel ist das Meinungsbild unklar: Während quer durch alle Altersgruppen immer noch die meisten dagegen sind, unterstützen Gen‑Z und jüngere Millenials häufiger als Ältere den Einsatz militärischer Mittel zu konkreter benannten Zwecken wie der Terrorbekämpfung oder um gegen schwere Menschenrechtsverletzungen vorzugehen.


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